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Yael van der Wouden "In ihrem Haus"


Yael van der Wouden’s Debüt hat es in sich. Und es ist überraschend.

 

Die Geschichte spielt 1961 in den Niederlanden und ist auf den ersten Blick die einer verbitterten, kleinlichen, jungen Frau – Isabel – und „ihres Hauses“.  Sie hat sich darin in ihrer Einsamkeit eingerichtet, wirkt beherrscht, kontrolliert. „Gibt es eigentlich nichts, was dich glücklich macht, Isabel?“ (S. 70) wird sie von der Freundin ihres Bruders Louis gefragt, von Eva, die Isabel als naiv und dümmlich wahrnimmt und die dann - auch noch - bei ihr einzieht, weil Louis auf Geschäftsreise muss. Auf den zweiten Blick entwickelt sich in einer Art Kammerspiel die Geschichte eines Aufbruchs, eines Aufbrechens. Ausgerechnet diese Eva entfacht in Isabel ein ihr bisher unbekanntes Verlangen, ein Begehren und lockt sie damit aus deren Schnecken-Haus.

Yael von der Wouden "In ihrem Haus"
Yael von der Wouden "In ihrem Haus"

Die Zeichen, die Hinweise für die dritte, für die tiefe Dimension sind fast flüchtig eingearbeitet, aber sie sind eindeutig da. Sie beginnen schon eingangs des Romans mit der Scherbe, die Isabel im Garten ausgräbt. Sie lässt sich dem von der Mutter geliebten Service zuordnen, jedoch ist nie ein Teil davon in die Brüche gegangen… Die geschichtlichen Info-Brosamen werden weiter gestreut, von der Leserin eingesammelt und fast vergessen – denn van der Wouden holt mich so nah, so intensiv in die Szenen, in die Figurenbeziehungen, in die Dialoge hinein, dass ich mich ablenken lasse – siehe erster und zweiter Blick. Die Historie ergießt sich dann über mich wie über Isabel - umso stärker.

 

Mehr will ich gar nicht verraten. Bist du neugierig geworden, was diese zwei Frauen mit dem Haus verbinden und wie sie durch das Haus verbunden sind? Isabel: „Auch wenn sie in dieses Haus gehörte – sie hatte nichts anderes, kein anderes Leben als in diesem Haus -, es gehörte ihr nicht.“ (S. 44) Eva: „Das Haus will mich hier haben, wenn auch sonst niemand.“ (S. 258)

 

Wenn ja, dann lass dich unbedingt darauf ein! Es lohnt sich, zu 100 %, weil: Highlight!

 

P. S. Yael van der Wouden stand mit „In ihrem Haus“ 2024 auf der Shortlist zum Booker-Prize. 


Yael van der Wouden ist Schriftstellerin und Dozentin im niederländischen Utrecht und lehrt Kreatives Schreiben und Vergleichende Literaturwissenschaft. Für ihre Kurzgeschichten und Essays, die sich mit Jüdischsein und queerer Identität auseinandersetzen, erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. In ihrem Haus stand auf der Shortlist des Booker Prize 2024.

 

Stefanie Ochel überetzt Literatur aus dem Englischen und Niederländischen Sie lebt in Berlin.


Yael van der Wouden, In ihrem Haus, Roman, Aus dem Englischen von Stefanie Ochel, Gutkind Verlag GmbH, Berlin 2025, 320 Seiten, ISBN 978 3 98941 054 1

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