Gerbrand Bakker, nie gehört. Du? Ich schätze die Bookstagramblase auch deshalb, weil sie mir so quasi aus dem Nichts Leseimpulse gibt und aufmerksam macht – hier auf des niederländischen Autors 2024 erschienenen Roman „Der Sohn des Friseurs“.
Hauptakteur Simon, in den Vierzigern, übt sich in Gemächlichkeit, seine Mutter nennt ihn spitz „indolent“. Nun, er taktet sich die Kunden in seinem Friseursalon so, dass es reicht zum Leben und er viiiiele Pausen hat. Zum Schwimmen sowieso und schon immer - er ist großer Alexander-Popow-Fan, die Poster aus der Jugend hängen immer noch. Neuerdings hilft er seiner Mutter bei einem Schwimmkurs für geistig Behinderte.

Über das Verschwinden seines Vaters noch vor Simons Geburt wurde allseits und immer geschwiegen. Doch ein Stammkunde, der Schriftsteller (!!), stachelt ihn an. Simon beginnt zu recherchieren. Sein Vater kam am 27. März 1977 bei der Katastrophe auf Teneriffas Flughafen Los Rodeos ums Leben. In einer Parallelerzählung erfahre ich dessen Weg.
Gerbrand Bakker schafft etwas, was ich sehr mag - Leichtigkeit und Schwere harmonisch und unaufgeregt zu verbinden, gewürzt mit schlitzohrigen Ideen (er selbst spielt im Roman eine nicht unwesentliche Rolle) und einem so guttuenden, amüsierten Unterton. Mir gefällt besonders, dass er seine Figuren allesamt so nimmt, wie sie sind (auch wenn mir der Erzählstrang Igor unangenehm ist und überflüssig scheint). Bakker mutet seinen Akteuren keine brachialen Entwicklungen zu, sondern authentische, peu à peu, immer Schritt für Schritt -
Simon habe ich ins Herz geschlossen. Und da das Ende in eine Richtung deutet, aber dennoch offen bleibt, wünsche ich mir (sonst nicht so die Serientypin) eine Fortsetzung! Wird es die geben, Herr Bakker?
Also, bitteschön, lesen!
Gerbrand Bakker, 1962 in Wieringerwaard geboren, ist Autor und Gärtner, hin und wieder auch Eisschnelllauftrainer. Für seine Romane, die in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurden, hat er zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten. Bakker lebt in Amsterdam und in der Eifel.
Andreas Ecke hat u. a. Bücher von Gerbrand Bakker, Mathijs Deen und Ernest van der Kwast ins Deutsche übertragen. er wurde mit dem Else-otten-Preis und dem Europäischen Übersetzerpreis ausgezeichnet.
Gerbrand Bakker, Der Sohn des Friseurs, Roman, Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke, Suhrkamp Verlag, Erste Auflage, Berlin 2024, 288 Seiten, ISBN 978 3 518 43158 0

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