Die Erzählerin ist the hunchback, die Bucklige, die sich selbst als „Buckelmonster“ bezeichnet. Die Frau um die 40 hat Myopathie.
Als „Normalos“ (Anführungszeichen!) nehmen wir zuvorderst das rein Körperliche, das Anderssein wahr. Das Bucklige mit einer gekrümmten Wirbelsäule, ein Beatmungsgerät, den Rollstuhl, das Loch in der Luftröhre, das angestrengte Sprechen. Durch ein Erbe finanziell abgesichert, hat Shaka Isawa sich viel ermöglichen können - Studium, unterstützende Geräte, einen Heimplatz; selbst erarbeitetes Geld spendet sie in vollem Umfang. Das wirkt befreit und nah dran an einem „guten Leben“, aber eben ist und bleibt es das – beileibe – nicht. Ichikawa, die Autorin, hat selbst diese Muskelerkrankung und weiß um die Art der Erfahrungen, der Gedanken und Gefühle ihrer Hauptfigur. Damit erlangt sie in der Beschreibung der beschwerlichen Alltäglichkeiten, mit denen diese konfrontiert ist, eine Authentizität, die Augen öffnet und leistet damit Aufklärungsarbeit. Dabei belässt es Ichikawa aber nicht.

„Ich werde nie einen sozial lebendigen Körper haben.“ (S. 76) Shaka Isawa spielt mit vielerlei Identitäten im Internet, twittert Provokationen, schreibt online erotisch-pornografische Geschichten – demgegenüber steht nie erfahrene körperliche Nähe, der Wunsch, von einem Menschen berührt, schwanger zu werden, bis hin zu dem provokanten, absurden Gedanken: „… wenigstens ein Kind abtreiben, wenn ich schon keins gebären kann.“ (S.31) Aber ist der Gedanke wirklich provokant? Die so privat erscheinende Szenerie um ihr unmoralisches Angebot an ihren Pfleger und dessen Umsetzung deckt vielerlei gesellschaftliche Konstellationen, Rollenverhältnisse und Machtgefüge auf, zwischen Behinderter und Nichtbehindertem, zwischen Patientin und Pfleger, zwischen Frau und Mann, zwischen der, die Geld hat und dem, der es leicht verdient glaubt.
Die Kürze des Romans verlangt Aufmerksamkeit, fordert und erzeugt eine erstaunliche Intensität. Jeder Satz sitzt auf diesen nur 91 Seiten um eine nie Sympathie erheischende, nie larmoyante behinderte Frau, deren einzige Rettung die Selbstironie bis hin zu bitterer Radikalität ist.
Ich kann immer noch nicht sagen, ob mir das gefällt, aber der Roman bleibt definitiv in Erinnerung.
Saou Ichikawa, geboren 1979, hat an der School of Human Sciences der Waseda-Universität studiert. Ihr Debütroman "Hunchback" wurde zu einem Bestseller und mit dem 128. Bungakukai-Preis sowie dem 169. Akutagawa-Preis ausgezeichnet. Sie ist die erste Autorin mit einer körperlichen Behinderung, die den Akutawaga-Preis erhielt. Aufgrund einer angeborenen Myopathie ist sie auf ein Beatmungsgerät und einen elektrischen Rollstuhl angewiesen. "Hunchback" wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und für den International Booker Prize nominiert.
Saou Ichikawa, Hunchback, Roman, Aus dem Japanischen von Katja Busson, Ecco Verlag in der Verlagsgruppe Harper Collins Deutschland GmbH, 1. Auflage, Hamburg 2025, 91 Seiten, ISBN 978 3 7530 0105 0

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