Mutter werden, Mutter sein. Mama sagen, Mama gerufen werden. Mama. Das hat doch mit Glücksgefühlen zu tun. Mama.
„Mama, was bist du doch für ein kleines mächtiges Wort!“ (S. 151)
Yvonne Zitzmann wechselt mit ihrem Roman auf die andere Seite. Auf jene des Mutterseins, die von Ambivalenz getragen ist, auf jene, die gar Ablehnung in sich trägt. Es ist die Geschichte von Martina und von Katja.
Es ist eine Geschichte von Versprechungen, Hoffnungen und Enttäuschungen. Vom Verlassen und vom Verlassenwerden. Von den Vätern, den Männern, die einfach gehen oder nicht bleiben wollen oder nicht wiederkommen.

Es geht um die Verantwortung, die dann doch wieder bei den Frauen bleibt, bei den Müttern. Immer noch. Es geht um das Alleinerziehen. Es geht um die vorangegangene Schuld der Männer. Will die jemand sehen? Schaut doch eh nur jede/r auf die Frau, die ihr Kind weggibt. Rabenmutter, schafft’s wohl nicht.
Es geht um die Schuld der DDR, um die Schuld eines Systems, um das arrogante Einmischen und das erpresserisch skrupellose Lenken einer Diktatur, wenn du nicht linientreu funktionierst.
Yvonne Zitzmann wirbt nicht für Verständnis für ihre zwei Frauen. Sie zeigt aber auf. Manchmal erwischt mich ihre klare Sprache besonders dann eiskalt, wenn sie poetisch durchbrochen ist.
Ein schmerzhaft eindringliches Buch, das ich so schnell nicht aus meinem Kopf bekommen werde.
Vielen Dank an die Penguin Random House Verlagsgruppe und den btb Verlag für die Überlassung des Rezensionsexemplars (wie immer unbeauftragt, unbezahlt).
Yvonne Zitzmann wurde 1976 in Frankfurt (Oder) geboren. Nach einem Studium der Germanistik und Psychologie in Potsdam schrieb sie für verschiedene Printmedien. Seit 2010 ist sie freie Autorin und verfasst Lyrik, Prosa, Hörspiele und literarische Übersetzungen (aus dem Russischen). Ihr erster Roman Tage des Vergessens erhielt überragendes Presselob ("Wunderbares Romandebüt", DIE ZEIT; "Eine Entdeckung", SRF 2 KULTUR). 2022 folgte der Roman Die Füchse haben Gruben, die Vögel haben Nester. Yvonne Zitzmann erhielt 2014 den Kunst-Förderpreis des Landes Brandenburg und war 2021 für den Uwe-Johnson-Förderpeis nominiert.
Yvonne Zitzmann, Die geteilte Schuld, Roman, btb Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, 1. Auflage, München 2025, 297 Seiten, ISBN 978 3 442 76306 1

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