Klosers Roman öffnet sich wie ein Gemälde, wie eine Landschaft, vor der du sitzt und in der du immer mehr versinkst. Du wirst ruhig beim Betrachten, eine Erkenntnis macht sich zu dir auf, je länger Du das Bild vor dir anschaust. Die beiden Figuren darin scheinen davon noch nichts zu ahnen, für Dich ist es dann nicht mehr überraschend, für die Zwei jedoch einschneidend, was sie erfahren -

Doch eigentlich tut dieses Wissen nichts zur Sache. Du genießt die Stille, die über dem Gezeichneten liegt und die sich auch aus einer Übereinkunft zu nähren scheint, die zwischen dem älteren Mann und der jungen Frau mit den asiatischen Gesichtszügen herrscht. Er, in der Tür eines alten Bauernhauses stehend, schaut auf ein Windspiel in einem Nussbaum und hat gleichzeitig sie im Blick, die Holz aufstapelt und an deren Beine sich eine Katze schmiegt. Durch ein Fenster entdeckst Du Regale mit verschiedenen Gefäßen und da hinten, das müsste ein Brennofen sein. Die Szenerie wird gerahmt von einer alpinen Bergwelt.
Ingrid Kloser gelingt es, mich in vollständigen Gleichklang und Rhythmus mit dem Erzählten zu bringen, obwohl oder weil es sich vordergründig aus Gegensätzlichem entwickelt - dem Geschlecht und Alter der Figuren, deren Kultur, deren Lebenserfahrung - junge Frau, älterer Mann, Japanerin und Österreicher, eine Berufsanfängerin und ein -profi, Schülerin und Meister.
Die fühlbar tiefe Verbundenheit von Akiko und Friedrich erklärt sich aus der gemeinsamen Leidenschaft und Liebe für ihren Beruf – für die Töpferei, für das Material, das die Grundlage dafür ist: den Ton und dessen Verarbeitung, und für die Dinge, die daraus entstehen, die so unterschiedlich und oft auch unberechenbar daraus geformt werden. Es wird etwas hinzukommen, was die beiden noch eint…
Wer das leise, das undramatisch Erzählte mag, das die Unwägbarkeiten des Lebens dennoch nicht außen vor lässt, wer sich sanft und zart von einer Geschichte tragen lassen und sie für immer über ein Bild im Herzen einschließen will, der ist mit Ingrid Kloser und „Aus der Stille geformt“ aufs Allerbeste bedient. Ich habe entdeckt, dass von ihr demnächst ein neuer Roman erscheint, und das macht es mir wesentlich leichter, mit diesem abzuschließen.
Große Empfehlung und große Vorfreude!
Ingrid Kloser wurde 1962 in Hard am Bodensee, Österreich, geboren. Nach dem Studium war sie zunächst in der Wirtschaft und als Dozentin an Hochschulen tätig. Seit 2014 widmet sie sich ausschließlich dem Schreiben. Sie lebt und arbeitet in Wien.
Ingrid Kloser, Aus Stille geformt, Piper Verlag GmbH, München 2025, 222 Seiten, ISBN 978 3 492 07263 2

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