Zugegeben, hätte mir der Kiwiverlag - danke, Ulrike - „Toxibaby“ nicht als Rezensionsexemplar zugeschickt, hätte ich nicht danach gegriffen - aufgrund der Inhaltsbeschreibung, vielleicht aber doch wegen Dana von Suffrin.
Ich muss es vorweg schon verraten, „Toxibaby“ habe ich: GELIEBT.
Ein Roman über ein Paar in München in einer On-off-Beziehung - er handelt in weiten Teilen nur davon, von den ständigen Trennungen zwischen Herzchen, Ende 30, und Toxibaby, Anfang 40, und dem Dazwischen. DAS ist nun wahrlich nicht, was mich beim Roman gehalten hat. Aber das WIE.
„Ich sammelte seit unserer Trennung Dinge, die ich ihm erzählen wollte, denn was ich nicht mit ihm teilen konnte, kam mir sinnlos vor, so als hätte ich es gar nicht wirklich erlebt, jemand hatte mir mein Publikum und mein Spiegelbild und meinen besten Freund und meinen größten Feind geraubt…“ (S. 22/23)

Sie, erfolgreiche Schriftstellerin, ist auch die Erzählerin. Ja, sie kennt die Schwachstellen, ihre, seine, ihre gemeinsamen. Doch zwischen all dem Gehen und Wiederkommen bleibt die Sehnsucht beider nach Trost und einer funktionierenden Liebe. Doch kann sie gelingen mit einem, der in Weltschmerz und Selbstmitleid versinkt, der sich grundsätzlich allen gesellschaftlichen Erwartungen entzieht und quasi immer gegen alles und jeden ist?
Dana von Suffrin setzt das gedankliche Kreisen von Herzchen um Toxi in einen Strom von teilweise seitenlangen Sätzen, lässt Herzchen dabei unterhaltsam und intelligent, lustig und reflektiert erzählen, streckenweise lese ich wie im Wahn, wie im Rausch. Fast wie nebenbei streut Dana von Suffrin Herzchens jüdische und familiäre Prägungen ein. Diese Mixtur liest sich einfach KÖSTLICH.
Zum Ende bin ich unsicher und weiß: Auch wenn mir der Toxityp nervig ist, ist er mir in seiner Art irgendwie auch sympathisch und: Ich sehe ihn nur durch Herzchen‘s Brille. Wie wäre seine Sicht wohl auf die ganze On-Off-Geschichte? Erzählt er sie, Frau von Suffrin, demnächst in einem „Herzchen“-Roman, quasi ‚nochmal von vorne‘ 😊?
Ihr wisst es ja schon, ich habe „Toxibaby“ sehr gern gelesen und gebe daher eine sehr verliebte, sehr überzeugte Leseempfehlung.
Vielen Dank an den Verlag Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar. /Immer unbezahlte Werbung./
Dana von Suffrin wurde 1985 in München geboren. Sie studierte in München, Neapel und Jerusalem und promovierte 2017 mit einer Arbeit zur Rolle von Wissenschaft und Ideologie im frühen Zionismus. Ihr Debütroman "Otto" (2019) und der Roman "Nochmal von vorne" (2024) wurden von Kritik und Publikum gefeiert. Dana von Suffrin wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Tukan-Preis (2024) und dem Chamisso-Preis (2025). Sie lebt in München.
Dana von Suffrin, Toxibaby, Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co. KG, 1. Auflage, Köln 2026, 237 Seiten, ISBN 978 3 462 00979 8

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