Im dritten Roman von Isabel Bogdan - nach „Der Pfau“ und „Laufen“ mit dem für mich etwas sperrigen Titel „Wohnverwandtschaften“ - geht es um eine Hamburger Wohngemeinschaft und ihre vier Bewohner Jörg, Anke, Murat und die neu hinzugezogene Constanze.

Mit ständigen Perspektivwechseln, kurzen Kapiteln, einem Stilmix und mit allen Figurenkonstellationen, die zu viert eben möglich sind, gelingt Bogdan ein sehr lebendiger, leicht zu lesender und leicht wirkender Roman. Doch Obacht! Jede Figur hier hat ihr Päckchen zu schultern.
„Wohnverwandtschaften“ ist ein Plädoyer für das Anderswohnen und öffnet die Augen für ein Anders-Zusammenleben – nicht als Familie, nicht als Paar, nicht allein. Persönlichkeiten und Temperamente verschiedensten Alters und unterschiedlichster Biografien sind bereit für Freundschaft und ausgestattet mit Respekt, Offenheit und Verständnis - die Basis, um auch ohne verwandtschaftliche Beziehungen zusammen zu leben und sich gegenseitig zu unterstützen, wenn bspw. der eine krank ist oder die andere erfolglos Arbeit sucht. Dass auch Eifersüchteleien oder das Gefühl, hinten angestellt zu sein, dazu gehören, spart Bogdan bei ihren Figuren und ihrer Geschichte nicht aus.
Ein Roman, den ich, ehrlich gesagt, überhaupt nicht auseinanderklamüsern möchte. Lebensklug erzählt, voller Lebensfreude und Lebensmelancholie, beides gehört zusammen und liegt oft so nah beieinander.
Stark. Lesen!
Isabel Bogdan, geboren 1968 in Köln, studierte Anglistik und Japanologie in Heidelberg und Tokio. Sie lebt in Hamburg und übersetzt u.a. Jane Gardam, Nick Hornby und Jonathan Safran Foer. 2006 erhielt sie den Hamburger Förderpreis für literarische Übersetzung, 2011 den für Literatur. Bei Kiepenheuer & Witsch erschienen bereits die Romane "Der Pfau" (2016) und "Laufen" (2019), die beide verfilmt wurden.
Isabel Bogdan, Wohnverwandtschaften, Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1. Auflage, Köln 2024, 269 Seiten, ISBN 978 3 462 00419 9

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