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Iris Wolff "Die Unschärfe der Welt"


Zwei, nein drei Hauptakteuren begegne ich in diesem Roman.

 

Dem Banat. „Was meinst du mit einheimisch? Schwäbisch, slowakisch, ungarisch, rumänisch, tschechisch, jüdisch oder vielleicht serbisch?“ (S. 113) Aus sieben Perspektiven in sieben Kapiteln erzählt die in Hermannstadt geborene Iris Wolff eine Familiengeschichte in einem siebenbürgischen Dorf, von Zeiten, da König Michael noch über Rumänien regierte, über die, da Ceauşescu diktatorisch sein Volk drangsalierte bis in die aktuelle Zeit nach der Wende. Wolff macht mich mit einer wenig beachteten, mir unbekannten Gegend und einem bunt gemischten Volk bekannt.  

Iris Wolff "Die Unschärfe der Welt"
Iris Wolff "Die Unschärfe der Welt"

Der Sprache. „Sprache kann nicht mehr sein als ein Anlauf zum Sprung.“ (S. 108) Aber was für einer!  Wolff erzählt ganz eigen. Ihre Sprache, das Erzählte erzeugt eine kraftvolle Stille und Ruhe und rankt sich poetisierend um ihre Figuren, die ich gleichsam nah, aber auch geheimnisvoll fern erlebe. Lyrische Bilder wattieren, umschmeicheln klar formulierte Ungeheuerlichkeiten, die das Idyllische brechen wollen, so dass ich mich zeitweise eingelullt fühle und das Gelesene verschwommen, unscharf erinnere. 

 

Und Samuel. Aus dem Potpourri an Figuren, deren Verbindungen Wolff nach und nach offenlegt, kristallisiert sich ausgerechnet eine Figur heraus, für die Sprache ein wenig benutztes Mittel zum Zweck ist, die Sprache wohl dosiert einsetzt – Samuel, ein Stiller, ein Schweigsamer, ein Beobachter, ein Zuhörer, aber eben auch einer, der handelt – eines Freundes wegen die Heimat abenteuerlich, riskant verlässt und der Liebe wegen wiederkehrt.

 

Nach „Lichtungen“ und nun mit „Die Unschärfe der Welt“ befinde ich mich auf einer eindrucksvollen Iris-Wolff-Winterreise.

 

Auch von Iris Wolff gelesen: "So tun als ob es regnet".


Iris Wolff, geboren 1977 in Hermannstadt, Siebenbürgen. Für ihre Romane wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ernst-Habermann-Preis, dem Literaturpreis ALPHA und dem Otto-Stoessl-Preis. 2019 erhielt sie außerdem den Thaddäus-Troll-Preis, war für den Alfred-Döblin-Preis nominiert und wurde mit dem Marieluise-Fleißer-Preis für ihr Gesamtwerk geehrt. Iris Wolff lebt in Freiburg im Breisgau.


Iris Wolff, Die Unschärfe der Welt, Klett-Cotta, 15. Auflage, Stuttgart 2021, ISBN 978 3 608 98326 5, 213 Seiten

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