Schwarz und Frau sein – versuche dir vorzustellen, du wärst es.
„Ich bin die Tochter von Camilla aus Gera und Ambonesigwe aus Sange. Ich bin Tupoka Sybille. Ich bin ein Brückenmensch.“ (S. 22) Ogette erfährt von Anfang an in ihrem Leben und immer und immer wieder, dass sie die Andere ist. Schwarzes Kind, Schwarzes Mädchen, Schwarze Frau. In ein Land geboren, in die DDR, in der es offiziell keinen Rassismus gab, und wo sie dennoch real permanent Ausgrenzung erfährt. „Wer aushält und lächelt – auch dann, wenn andere ihren Dreck auf dir auskippen -, darf am Ende mitspielen.“ (S. 72) Bittere Erfahrungen – Demütigungen, Sexismus, Missbrauch, Alltagsrassismus, Trennung von den geliebten Großeltern nach der Ausreise mit der Mutter in die BRD 1988 – verstärken die Zweifel an sich selbst. Sie lernt, sich chamäleonartig anzupassen, da sie einfach dazugehören will – bis zu dem Punkt, als sie versteht, dass das, was sie erfährt, nicht an ihr liegt, sondern an einer gesellschaftlichen Systematik – Rassismus.

Doch aus bitteren Erfahrungen wächst bei Ogette kein Verbittertsein. Die Haltung, die Stärke, die sie daraus gewinnt, ist erstaunlich und mündet in Politisierung und in dem Verständnis, dass diese Gleichzeitigkeit, ihr Brückendasein zwischen deutsch und afrikanisch ihre Einzigartigkeit ausmacht. Halt und Basis geben ihr Mikrokosmen und Räume, in die sie sich zurückziehen kann - ihre Mutter, ihre Familie, Gleichgesinnte, Musik … -, in denen sie ein Wir spürt, Anerkennen, Respekt.
Fest steht schon jetzt im noch jungen Lesejahr 2026: Tupoka Ogettes Memoir „Trotzdem zuhause“ ist ein Highlight. Das Buch stünde literarisch, inhaltlich und sprachlich auch für sich alleine, jedoch hat die Autorinnenlesung bei der lit.COLOGNE (moderiert von Daniel Schreiber) diesen Leseeindruck nicht nur bestätigt, sondern er wurde durch die persönliche, menschliche Ebene der Autorin verstärkt. „Trotzdem zuhause“ ist ein Must-Read und – wie „Liebe! Ein Aufruf“ – ein politisches, ein menschliches Buch der Stunde – gerade jetzt!
Vielen Dank an die Penguin Random House Verlagsgruppe für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. Wie immer unbeauftragte, unbezahlte Werbung.
Tupoka Ogette wurde 1980 in Leipzig als Tocher eines tansanischen Studenten der Landwirtschaft und einer deutschen Mathematikstudentin geboren. Kurz vor der Wende wanderte ihre Mutter mit ihr nach Westberlin aus, wo Ogette bis zu ihrem Abitur lebte. Seit 2012 ist Tupoka Ogette bundesweit als Beraterin und Trainerin im Bereich Rassismuskritik tätig. Ihr im März 2017 erschienenes Handbuch exit RACISM. Rassismuskritisch denken lernen ist ein SPIEGEL-Bestseller. Bei Penguin erschienen ihre Bücher Und jetzt du. Rassismuskritisch leben und Tag für Tag aktiv gegen Rassismus. Sie lebt mit ihrem Mann, dem Künstler und Bildhauer Stephen Lawson, und ihren Kindern in Berlin.
Tupoka Ogette, Trotzdem zuhause, Memoir, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, 1. Auflage, München 2026, 250 Seiten, ISBN 978 3 328 60449 5

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